Montag, 8. Januar 2018

MS und Depression

Bevor ich zu schreiben begann, bin ich selbst auf das Label "Depression" unter meinen Stichwörtern gegangen, um ja nicht ähnliches zu diesem Thema zu schreiben. Da ich zurzeit selbst betroffen bin und viele in meinem Umfeld auch feststecken, möchte ich ein paar wichtige Eckdaten hier schreiben.

Depressionen gehören zu den unsichtbaren Symptome bei MS!





Sagt man solch einen Satz, wie auf der Collage, können die wenigsten etwas damit anfangen. Ich sehe es ihnen in ihrem Gesicht, man spürt es am Telefon...  Denn neben der MS noch eine eigenständige Krankheit, wie die Depression, zu verstehen, überfordert viele; selbst Freunde oder Partner. Da ich selbst davon betroffen bin, stehe ich auf der anderen Seite. Einem auffangen können die wenigsten - man bleibt oft alleine, deshalb lest euch meinen Artikel durch, um euch Hilfe von außen zu holen. Bei Fragen schreibt mich gerne an!









Sturmwarnung

 Sturm braut sich auf ...
... erst still, dann leise ...
Wellen sanft, brechen am Fels plötzlich mit Wucht ...
Schaumkronen mächtig
und weiß schäumend ...
... der Sturm tobt als ich erwachte ...
... ich ertrinke - helft mir doch ...

... Sturmwarnung wieder verpasst!

(copyright, Caroline Régnard-Mayer, aus meinem Buch "MS-Gedankenspiele 2")


Die Diagnose Multiple Sklerose bedeutet auch eine extrem große psychische Belastung des Betroffenen und auch während dieser chronischen Erkrankung kann es immer wieder zu einer Depression oder depressiven Episoden kommen. Denn nicht genug damit, dass die MS `1000 Gesichter´ hat, die Begleiterkrankung Depression erhöht den Leidensdruck des Betroffenen zusätzlich und beeinflusst sein Leben manchmal mehr als die MS selbst.

Die unsichtbaren Symptome der MS stellen eine große Belastung für den Erkrankten dar, gekennzeichnet durch chronische Erschöpfung, mangelnde Aufmerksamkeit, seelische Tiefs oder Gedächtnisschwierigkeiten. Ein Gesunder kann dies kaum nachempfinden. Umso mehr gilt das Augenmerk der Aufklärung über Depressionen, die eine ernst zu nehmende, aber heilbare Krankheit darstellen.

Der MS-Patient bleibt oft mit seinen unsichtbaren Symptomen allein und zieht sich letztendlich zurück. Auch die Trauer über verlorengegangene Fähigkeiten und die Angst vor der ungewissen Zukunft spielen auf dem Weg in die Vereinsamung eine bedeutende Rolle. Darüber hinaus, verursachen aber die durch MS entstandenen hirnorganischen Veränderungen, dem Erkrankten ernste Probleme. Die Depression gehört unmittelbar zu den Problemverursachern. Die Schwermut beeinträchtigt seelische und körperliche Funktionen. Die biologische Ursache von Depressionen besteht in einer Funktionsstörung bestimmter Botenstoffe im Gehirn.
Depressive Menschen ermüden schnell, sie haben Konzentrationsschwächen und Probleme, sich etwas zu merken. Ausdauer und Kraft lassen nach, Entscheidungen fallen sehr schwer und das Urteilsvermögen ist eingeschränkt. Pessimismus, Schwarz-Weiß-Denken, Hilf- und Hoffnungslosigkeit bestimmen das Leben des depressiven Menschen. Er zieht sich von seiner Familie und dem Freundeskreis zurück, zeigt keine Interessen mehr und das Leben erscheint ihm sinnlos und leer. Schlafstörungen sind oft die ersten Anzeichen ebenso wie andauernde Appetitlosigkeit. Rund 60 Prozent aller depressiven Menschen leiden darüber hinaus unter körperlichen Beschwerden und Schmerzen, vor allem Rücken- und Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Verdauungs- und Herzproblemen und sexuellem Desinteresse. Mindestens vier verschiedene definierte Symptome über mindestens zwei Wochen kennzeichnen eine Depression.
Die Ursachen der Depression sind vielfältig. Risikofaktoren sind beispielsweise: körperliche Erkrankungen (z.B. hirnorganische Erkrankungen, Tumore), Medikamente (z.B. Kortison, Interferone, Hormonpräparate …), chronische Krankheiten, Depression in der Familie, Pflegebedürftigkeit, chronische Über­forderung und Dauerstress, wenige positive, aber viele negative Erfahrungen, starre oder wenig flexible Grundeinstellungen, überhöhte Ansprüche, verzerrte Gedankenwelt, Drogen und Alkohol.
Multiple Sklerose begünstigt in 50 Prozent der Fälle die Entstehung einer schweren Depression, nimmt man die weniger schweren Depressionen hinzu, steigt das Risiko auf erschreckende 70 Prozent.

Ein gesunder Mensch kann in der Regel seine Zukunft durch sein Handeln und sein körperliches Gesundsein beeinflussen. Ein an MS Erkrankter hat dagegen einen völlig unvorhersehbaren Verlauf seiner Zukunft. Wenn die Krankheit fortschreitet, neue Symptome auftreten oder bestehende sich verschlimmern und zusätzlich ein Arbeitsplatzverlust, Verrentung, Abwendung eines Partners oder der Freunde hinzukommen, verschärft sich die Situation. Diese einschneidenden Verluste führen häufig bei MS-Patienten zu reaktiven Depressionen. Organische Depressionen sind eine Folge von MS-Entzündungsherden im Gehirn. Auch unvermittelt auftretende Depressionen können durch Nebenwirkungen von Medikamenten z.B. Interferone oder Kortison auftreten.
Da die Depression bei MS nicht leicht zu diagnostizieren ist, da typische MS-Symptome wie Fatigue, Konzentrationsschwäche und körperliche Beschwerden auch bei einer Depression vorkommen, sollte man umgehend seinen Neurologen konsultieren. Unbedingt muss ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, wenn zu den genannten Punkten noch Selbsttötungsgedanken, Arbeits- und Leistungsunfähigkeit im Beruf und/oder Haushalt dazukommen.

Eine Depression kann heute gut behandelt und geheilt werden. Therapiemöglichkeiten sind Psychotherapie, kognitive Verhaltenstherapie und die interpersonelle Psychotherapie. Sie braucht Zeit und die aktive Mitarbeit des Patienten. Unterstützt wird sie durch spezielle Medikamente, die Antidepressiva, die heutzutage nicht mehr abhängig machen. Sie greifen in die Stoffwechselvorgänge des Gehirns ein und verbessern dadurch die Weiterleitung von Reizen. Moderne Antidepressiva machen nicht süchtig und schränken das Reaktionsvermögen nicht ein. Sie können über Monate oder Jahre eingenommen werden.

Die Heilung einer Depression kann jeder einzelne Patient aktiv unterstützen: im Rahmen seiner Möglichkeiten durch Bewegung und sportliche Aktivitäten, Spaziergänge an der Luft. Ein täglicher Stundenplan, den sie führen und befolgen, zeigt ihnen, was sie zu stark fordert und hilft ihnen, diese Belastungen gezielt zu vermeiden. Halten sie Kontakt zu ihren Mitmenschen, belohnen sie sich selbst für die kleinsten Erfolge, haben sie Geduld mit sich, ernähren sie sich ausgewogen und erproben sie verschiedene Entspannungstechniken.
Natürlich sind diese unterstützenden Maßnahmen in meinen Augen erst möglich, wenn man durch Medikamente und Psychotherapie die erste Stabilität erfährt oder noch rechtzeitig die ersten sich anbahnenden Symptome einer Depression erkennt. So erging es mir mit meiner Depression, zuerst erhielt ich Medikamente und begann eine Psychotherapie, um mir überhaupt selbst wieder etwas zuzutrauen, und dann hangelte ich mich mit viel Selbstliebe und Geduld aus dem seelischen Tief. Denn wenn ein Mensch am Abgrund steht, will er sich nicht bewegen oder achtet gar nicht auf seine Mitmenschen oder Ernährung. Es ist ihm schlichtweg egal, besser gesagt, er hat gar keine Kraft dazu!

Es ist deshalb wichtig, Betroffene wirklich ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören, um zu verstehen, dass Leid und Schmerz von jedem Menschen unterschiedlich wahrgenommen werden. Nicht sichtbare oder nicht mitteilbare Symptome können "schmerzhafter" erlebt werden als auf den ersten Blick erkennbare.
Mit einem körperlich stark Betroffenen hat man sofort Mitgefühl, ein "unsichtbar" psychisch Betroffener stößt vielleicht sogar auf Ablehnung, trotz größerem Leidensdruck. Manchmal ist Hilfe für mich, wenn mir jemand nur einfühlsam zuhört, mehr nicht. Und wenn der Leidensdruck so groß ist, dass ich nicht mehr sprechen möchte, genügt es mir, wenn jemand einfach nur bei mir ist und dankbar dafür, wenn ich deshalb nicht auf Unverständnis stoße. Viele MS-Patienten befinden sich in ähnlichen Situationen und haben Schwierigkeiten, verstanden zu werden, weil man gerade "unsichtbare" Leiden nicht so leicht verständlich machen kann.





Solch eine Umarmung wünsche ich euch!💗

Jemanden an der Seite, der euch auffängt!
Jemanden, der euch zuhört!
Jemanden, der euch versteht!
Jemanden, der einfach nur da ist und euch anruft oder mit euch redet!



Herzlichst
Eure