Mittwoch, 27. Dezember 2017

MS und kognitive Störungen - kein Nicht-Betroffener kann das verstehen!




Diese Störungen sind ein Gruel für jeden MS-Betroffenen, denn sie wirken sich einschneidend in den Alltag und das Berufsleben aus. Sie überrollen einem wie eine Lawine ... und keiner versteht dich!
Deswegen heute eine längere Erklärung zu einem Symptom, das nach außen unsichtbar ist.





Kognitive Störungen

Es leiden bis zu 50 % aller MS-Erkrankten unter dieser verminderten Leistungsfähigkeit. Darunter werden eine herabgesetzte Aufmerksamkeit, Konzentrationsstörungen, vermehrte Vergesslichkeit oder anderer Denkstörungen z.B. geistiges Tempo verstanden. Dieses unsichtbare Symptom kommt im Verlauf der Erkrankung fast bei jedem zweiten Erkrankten vor. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass ich mehr als einmal mit jemandem in meinem Umfeld regelrecht Krach angefangen habe, da ich überzeugt war, dass wir die Angelegenheit längst besprochen hatten oder dass ich eine Sache erledigt hatte. Es war aber nicht so und jeder wunderte sich, aber keiner sagte etwas. Ob eine frühere Diagnose bei mir etwas am Verlauf geändert hätte, bezweifle ich. Zumindest hatte ich ein paar Jahre mehr der Unsichtbarkeit und Ahnungslosigkeit bzw. Unbeschwertheit.
Durch neuropsychologische Testverfahren, wird die Diagnose der kognitiven Störungen gesichert. Hilfreich sind hier Rehabilitationseinrichtungen, die nicht nur dieses Symptom diagnostizieren, sie therapieren gezielt und fördern den Einzelnen mit Ergotherapie und Computerprogrammen zur Verbesserung der Kognition. Aber auch die medikamentöse Basistherapie bzw. Eskalationstherapie sollten optimiert werden. Denn kognitive Störungen nehmen Einfluss im täglichen und beruflichen Leben.
Die Kosten für ambulante neuropsychologische Behandlungen werden von den Krankenkassen nicht übernommen, wobei sie im stationären und Rehabilitationsbereich einen festen Bestand haben.
Bei Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen hat der Betroffene oft Schwierigkeiten sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren oder sie gleichzeitig zu erledigen. Stress begünstigt diesen Zustand. Diese Anforderungen sind im Beruf oder zuhause mit Kindern immer gegeben. Auch kommt eine Verlangsamung der Geschwindigkeit, um neue Informationen zu verarbeiten, hinzu. Ich könnte glatt den Wettbewerb für Schnecken zur Verarbeitung und Umsetzung von Informationen, gewinnen.
Bei Gedächtnisstörungen ist am häufigsten das Kurzzeitgedächtnis oder Ereignisse der letzten Zeit betroffen. Eine Information wird vom Betroffenen wahrgenommen und richtig eingeordnet, dann erfolgt die entsprechende Speicherung und bei Bedarf wird sie abgerufen. Hier ist nun das Defizit, die Information ist zwar abgespeichert, wird aber nicht gefunden. Auch geplante Ereignisse, Verpflichtungen oder eingegangene Verabredungen werden nicht gefunden. Mir helfen in manchen Situationen nicht einmal der Kalender oder ein Zettel, denn nachdem ich die Information meines Gegenübers bekam und diese nicht sofort notierte, vergaß ich das Gesagte und fand die Info nicht mehr in meinem Gedächtnis. Solche Situationen machen mir sehr zu schaffen, sie engen mich im Berufsleben ein und auch im täglichen Leben kam es zu unschönen Szenen.
Sprachstörungen werden auch zu den kognitiven Störungen gezählt, nicht sichtbar aber hörbar! Sie äußern sich in Wortfindungsstörungen oder die Sprache ist nicht flüssig. Als Therapie kommt nur eine Behandlung bei einer Logopädin in Frage. Aus eigner Erfahrung nach einem schweren Schub im Juli 2016 trainierte ich bei einer Logopädin meine Sprache und Atmung. Hier helfen keine Medikamente.

Problemstörungen treten in neuen, unvorhersehbaren Situationen auf, die schwer oder gar nicht gemeistert werden können.

Hier habe ich weniger Defizite, aber ich muss physisch stabil sein, ansonsten versage ich auch hier. Außerdem brauche ich viel Zeit und Ruhe, um neue Situationen zu erfassen und Entscheidungen zu treffen. Manchmal verzettle ich mich aber zu meinen Ungunsten. Im Berufsleben kein leichtes Unterfangen mit solchen Problemen wie den kognitiven Störungen bzw. unsichtbaren Symptome umzugehen. Aber ich habe für mich entschieden, die wenigen Stunden im Berufsleben solange als möglich zu tun, die Notbremse und den endgültigen Schnitt kann ich jederzeit durchführen. (Im Sommer 2016 war es leider soweit.)

Ich würde mir wünschen, dass dieser Beitrag auch Nicht-Betroffene, wie Familienangehörige oder Freunde, Nicht-Kranke und Interessierte lesen würden. Nur durch Aufklärung können wir die Lobby für Menschen mit Multiple Sklerose (MS) stärken.
Wenn euch mein Blogbeitrag gefallen hat, darf gerne geteilt werden und kommentiert. Freue mich über eure Kommentare.

Bis bald zum Thema "Fatigue".

Herzlichst
Eure








Foto: pixabay.com