Mittwoch, 4. Juni 2014

Autofahren mit Handicap

Am 26.05.2014 fand eine Veranstaltung zum Thema "Autofahren mit neurologischen Erkrankungen" im DRK-Haus in Frankenthal/Pfalz statt.
Es war eine Kooperationsveranstaltung der DMSG Landesverband Rheinland-Pfalz und der Gleichstellungsstelle der Stadt Frankenthal.


Wir, das Leitungsteam Landau waren dabei und sehr beeindruckt. Selten habe ich solch gute Fachvorträge gehört, informativ bis ins kleinste Detail, 
kompetent und das in Theorie und Praxis.

Nicht nur als Gruppenleiterin schreibe ich
diesen Artikel, sondern es soll Menschen mit MS wertvolle Tipps, 
Informationen und Links an die Hand geben, wenn sich doch irgendwann einmal die ersten Probleme beim Autofahren herauskristallisieren.

Der 1. Fachvortrag wurde von der Inhaberin Frau Daniela Gerschler, Fahrschule Schlachter in Ludwigshafen gehalten. Frau Gerschler referierte über das Thema Führerschein und Handicap, Umschreiben und Neuerwerb einer Fahrerlaubnis.
Die Fahrschule vermittelte mir einen menschlichen Eindruck nach dem Motto "geht nicht - gibt´s nicht". Sie erklärt an vielen Beispielen, wie Menschen wieder Mobilität und ein Stück Lebensqualität zurückgebracht werden kann.
Hier nur kurz ein paar Informationen, denn Sie können sich jederzeit persönlich oder telefonisch in der Fahrschule Schlachter informieren.
Bei einer Umschreibung, wenn die Fahrerlaubnis vor einer Behinderung erworben wurde, benötigen Sie ein ärztliches und technisches Gutachten. Sie absolvieren eine fahrpraktische Ausbildung (dies erschreckte mich, denn es ist von den Kosten eines "abgespeckter Führerschein") auf einem angepassten Kfz, dann erstellt ein Gutachter vom TÜV mit Fahrprobe das technische Gutachten. Ein Neurologe erstellt das medizinische Gutachten und diverse Unterlagen werden benötigt z.B. zwei Passbilder. Dann erst kann die Fahrerlaubnis umgeschrieben werden.
Weitere Informationen unter www.fahrschuleschlachter.de


Der 2. Fachvortrag wurde von Herrn Bernd Schulz, Leiter der Marketing und Vertriebabteilung des Mobilcenter Zawatzky in Meckenheim vorgetragen. Thema waren die Möglichkeiten und Grenzen bei einer Umrüstung eines Fahrzeugs mit Handicap.
Herr Schulz informierte die Teilnehmer erstklassig, dass kaum eine Frage offen blieb und zeigte an einem mitgebrachten Fahrzeugen wie solche Umbaumassnahmen aussehen können.
Hier ein paar Auszüge, die für mich und sicher auch für einzelne Mitglieder unserer Selbsthilfegruppe interessant sind.
Ein Rollstuhlfahrer braucht: Automatikgetriebe, Lenkhilfe (Gabel, Knopf), Handbediengerät für Gas und Bremsen, Abdeckung der Pedale, Fernbedienung für Sekundärfunktionen und Rollstuhlverladungen. Jeder einzelne Punkt wurde ausführlich erläutert und an Bildern erklärt.
Es gibt für jede Art des Handicaps Möglichkeiten ein Auto um zurüsten, aber für den kleinen Geldbeutel nicht möglich. Aber auch hier zeigte Herr Schulz Lösungsvorschläge.
Wer zahlt? ... das war ein wichtiger Punkt, den ich an Interessierte weiterzugeben möchte:
bei Berufstätigen - Deutsche Rentenanstalt
Berufstätige auf Arbeitsuche - Argentur für Arbeit
Selbstständige und Beamte - Integrationsamt
Rentner - Amt für soz. Angelegenheiten (ziemlich aussichtslos - Almosen:)
Bei einem Berufstätigen mit Handicap, der durch die Umrüstung noch erwerbsfähig bleibt, werden bis 9500 € erstattet. Bei Kraftfahrzeughilfe: Die Rentenversicherung zahlt nur wenn mindestens 15 Jahren in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wurde. Sonst gibt es andere Kostenträger (evtl. die Agentur für Arbeit).

Weitere Informationen unter www.zawatzky.de

Ich möchte hier noch ausdrücklich bemerken, dass ich diese Informationen nicht als Werbezwecke eingestellt habe! Aber es gibt sehr wenige Fahrschulen, die auf Menschen mit Handicap spezialisiert sind und auch kaum eine Firma in Deutschland rüstet Autos für gehandikapte Menschen um.

Die Veranstaltung wurde moderiert von der Sozialarbeiterin Frau Waltraud Oberfrank-Paul.
Eine gelungene Veranstaltung, die hoffentlich in vielen Bundesländern auch angeboten wird. Ich denke, dass der jeweilige Landesverband der DMSG Ihnen weiterhelfen kann.
Herzlichst
Eure Caro